Donnerstag, 13. Juni 2013

Die lieben Nachbarn



Ich hatte bis vor Kurzem auch noch so einen liebevollen Menschen mit im Haus wohnen. Nein, er ist nicht gestorben. Das haette ich wohl mitbekommen. Aber ich glaube, er ist zu alt geworden sich noch um alle Regeln und Belange zu kuemmern. Aber er war vorbildlich, wenn es darum ging, dass die Nachbarn bitte alles einheitlich halten sollen.

Wusste ich nur bloederweise bei meinem Einzug nicht. Damals hatte ich noch ein weisses Schild auf meinem Briefkasten, welches besagt, dass ich weder Werbung noch Gratiszeitungen erhalten moechte. Leider verschwand dieses immer oefter und keine wusste wohin, warum oder wer es verschwinden liess. Also klebte ich einfach ein neues weisses Schild auf meinen Briefkasten. Mahnte die Zeitungsverteiler an, dieses Schild auch bitte zu beachten. Es lief einige Zeit gut. Doch dann verschwand das Schild binnen 3 Wochen zweimal. Und ich war ein wenig genervt.

Also fertigte ich noch ein Schild an. An denjenigen, der meine muehevoll angebrachten weissen Schilder einfach abknibbelte. Ich wiess den Aufkleberabreisser daraufhin, dass ich wirklich keine Gratiszeitungen noch Werbung haben wolle und er es bitte lassen soll. Am Ende bedankte ich mich sogar.

Kurze Rede, langer Sinn. Meine weissen Aufkleber blieben am Briefkasten. Nun koennte man ja sagen, dass das Problem geloest sei. Mein Aufkleber ist dran, die Zeitungsverteiler werfen keine unnuetze Post mehr ein, nur die Autoankaeufer kriegt man nicht klein. Diese werfen weiterhin froehlich ihre Kaertchen ein. Aber die sind ja belanglos, immerhin verstopfen se den Briefkasten nicht. Man freute sich, dass sich derjenige anscheinend angesprochen fuehlte und die Aufkleber nun dran liess.

Womit man allerdings nicht rechnete war, dass man ab diesem Zeitpunkt einmal woechentlich seinen Briefkasten vollgestopft vorfand. Da hat der liebe Herr Aufkleberabreisser naemlich alle seine in der Woche gesammelten Zeitungen genommen und diese so lange in meinem Briefkasten gesteckt bis nicht mal mehr ein Brief zwischen passte. Ja fein, die Aufkleber liess er dran, aber nun stopfte er selbst seine durchgelesenen Gratiswerke in meinen Postkasten.

Zwischenzeitlich hatte ich dann auch mal mit der Hausverwaltung telefoniert. Und daraufhin wurde mir einiges klar. Der Herr Aufkleberabreisser hat ja gar nicht aus Gehaessigkeit meine weissen Aufkleber abgerissen. Dies hat er nur getan, weil ich Flegel, die falsche Farbe benutzt habe. Ich haette gelbe Aufkleber benutzen muessen. Die Aufkleber haetten eine bestimmte Groesse gebraucht und ein rotes STOP-Zeichen darauf. Ja man, dass ich da nicht selber drauf gekommen bin. Wie dumm von mir. Leider wollte mir die Hausverwaltung den Namen des Herren nicht nennen, von dem sie vermuteten, dass er die Aufkleber abknibbelte. Immerhin war er auch derjenige, der die Hausverwaltung umgehend darauf hinwiess, wenn wieder so ein bloeder Mieter eingezogen ist, der sich einfach nicht an die Regeln haelt und falsche Aufkleber auf Briefkaesten oder Tuerklingeln klebte. Jaha, Recht und Ordnung muss doch bitte eingehalten werden. Wo wuerden wir denn hinkommen, wenn jeder machen wuerde, was er wolle...

Somit bat ich meine Hausverwaltung doch darum, mir so einen Aufkleber zu besorgen. In der Zwischenzeit brachte ich oben besagten Zusatzaufkleber auf meinen Briefkasten an.

Womit wir wieder bei vollgestopften Briefkaesten waeren. Nach vergangen drei Wochen und einem zweiten Anruf bei der Hausverwaltung klebte eines Tages auch endlich ein gelber Aufkleber mit einem roten Stopzeichen auf meinem Briefkasten. Und auf dem anderen Briefkasten, wo vorher auch ein weisser Aufkleber war, war dieser ebenfalls ausgetauscht. Man. Das sah einheitlich aus. Echt schoen. Da konnte man sich, wenn man als Mieter das Haus verlaesst und nach links auf die Briefkaesten guckte, schon freuen. So schoen sah das aus. Schade, dass man das vom Hof oder der Strasse aus nicht sehen konnte, denn die Briefkaesten sind dem Haus zugewandt. So werden die Leute nie sehen, wie gesittet es in diesem Haus zugeht und wie einheitlich alles ist.

Natuerlich habe ich sofort, um auch mit zu denjenigen zu gehoeren, die alles einheitlich haben, meine eigenen weissen Schilder abgemacht. Nicht, dass es mir egal gewesen waere, ob es weiss, gelb oder lilapfurzgebluemt waere. Ich war ja kurz davor 28 pinke Aufkleber zu besorgen und alle Mieter darum zu bitten ihre Aufkleber auszutauschen, damit das ganze wieder einheitlich ist, weil ich keinen gelben Aufkleber mit Stopzeichen gefunden hatte. Und ganz eigentlich habe ich das nur gemacht, weil ich hoffte, dass mein lieber Nachbarn aufhoert mir weiterhin den Briefkasten mit seinen gesammelten Werken vollzustopfen.

Hat der liebe Nachbar dann sogar auch. Wahrscheinlich sitzt er jetzt in seiner Wohnung und freut sich. So nach dem Motto „HA, der hab ichs aber gezeigt!“ Ja, so ist das wenn man in Bayern ist. Da herrscht noch Recht und Ordnung. Gewonnen hat er der liebe Herr. Eindeutig. Ich habe meinen Dickkopf eingefahren und mich gebeugt. Nach dem Motto, der Kluegere gibt nach. Darf man nur nicht zu oft, weil sonst irgendwann die Dummen die Welt beherrschen…obwohl…anderes Thema…

Eigentlich ist es aber fast schon schade, dass der Nachbar nun so einfach damit aufgehoert hat. Ich wollte ihm doch eine kleine Mini Gummibaerchentuete an meinen Briefkasten haengen mit einem Dankesschreiben. Dass er so nett ist und mich weiterhin mit Infomaterial versorgt. Und dem Hinweis, dass wenn er beim naechsten mal 2 Zeitungen mehr in den Briefkasten gestopft bekommt, er ne grosse Tuete Gummibaerchen erhaelt.

Aber ich bleibe dabei…der Kluegere gibt nach.

Und ich weiss jetzt schon, was ich mache, wenn ich in ein bis zwei Jahren mit meinem Freund zusammen ziehe. Ich finde diesen gelben Aufkleber naemlich echt haesslich und dieses eine sieht aus wie das andere, wo bleibt denn da bitte die Individualitaet. Das werden lustige letzte 3 Monate. Falls noch jemand weiter gute, brauchbare Ideen hat. Immer mal her damit.






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